Hilfe bei Glücksspielproblemen: Beratung, Selbsttest und technische Sperren
Wer das Gefühl hat, das eigene Spielverhalten nicht mehr im Griff zu haben, oder wer dem Druck nachzugeben droht, eine bestehende Sperre zu umgehen, muss damit nicht allein bleiben. Diese Seite bündelt die konkreten, kostenlosen Wege zu Unterstützung: telefonische Beratung, Selbsttest, die OASIS-Selbstsperre und ergänzende technische Hilfen.

Inhaltsverzeichnis
Der Wunsch, eine Sperre zu umgehen, ist ein Signal
Eine wichtige Vorbemerkung steht am Anfang, weil sie vieles einordnet: Glücksspielsucht ist eine behandelbare Erkrankung. Der Wunsch, eine selbst eingerichtete Sperre rückgängig zu machen oder zu umgehen, tritt häufig genau dann auf, wenn die Sperre ihre Wirkung entfaltet. Mit anderen Worten: Der Druck ist oft ein Zeichen dafür, dass der Schutz funktioniert.
Diese Sichtweise nimmt den Druck nicht weg, aber sie verändert seinen Stellenwert. Statt ihn als Hindernis zu deuten, das es zu überwinden gilt, lässt er sich als Hinweis lesen, in einer verletzlichen Phase Unterstützung zu suchen. Wie die Selbstsperre als bewusste Schutzentscheidung gedacht ist, beschreibt der Beitrag zu Selbst- und Fremdsperre. Die folgenden Angebote sind niederschwellig, kostenlos und in der Regel anonym.
Diese Seite ist bewusst als eigenständige, vollwertige Hilfeseite angelegt und nicht als kurzer Hinweis am Rand. Sie richtet sich an alle, die mit dem eigenen Spielverhalten ringen, an Angehörige, die sich Sorgen machen, und besonders an jene, die in einem schwierigen Moment dem Drang nachzugeben drohen, eine Sperre zu umgehen. Die Reihenfolge der Angebote folgt keinem Ranking: Welcher Weg der richtige erste ist, hängt von der eigenen Situation ab. Für manche ist ein anonymer Selbsttest die niedrigste Schwelle, für andere ein direktes Gespräch. Alle hier genannten Wege lassen sich miteinander kombinieren.
Telefonberatung: kostenfrei und anonym
Der direkteste Weg ist oft ein Gespräch. Die Telefonberatung zur Glücksspielsucht ist unter 0800 1 37 27 00 erreichbar. Sie ist kostenfrei und anonym und wird vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) betrieben, der Nachfolgeeinrichtung der früheren Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Rufnummer
0800 1 37 27 00 (kostenfrei aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz)
Beratungszeiten
Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, an 363 Tagen im Jahr (ausgenommen 24.12. und 31.12.)
Charakter
anonym und vertraulich; das Beratungsteam hilft auch bei der Suche nach weiterführender Unterstützung vor Ort
Sie dürfen so oft anrufen, wie es nötig ist, und das Gespräch dauert so lange, wie Sie es brauchen. Häufig genügt ein einziges Telefonat, um zu wissen, wie der nächste Schritt aussehen kann. Die aktuellen Angaben zur Beratung führt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit auf seiner Seite zum Infotelefon.
Selbsttest und begleitetes Online-Programm
Wer zunächst für sich selbst einordnen möchte, ob das eigene Spielverhalten problematisch ist, findet auf dem Online-Portal check-dein-spiel.de einen Selbsttest. Das Portal bietet darüber hinaus ein begleitetes, vierwöchiges Online-Ausstiegsprogramm sowie eine Suche nach Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Kliniken in Wohnortnähe.

Ergänzend bündelt das Portal bundesweit-gegen-gluecksspielsucht.de Hilfsangebote und Landeskoordinierungsstellen. Eine Übersicht der offiziellen Anlaufstellen führt zudem die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder. Diese Wege eignen sich besonders für den ersten, vorsichtigen Schritt, wenn ein Telefonat noch zu groß erscheint. Sie lassen sich anonym und im eigenen Tempo gehen.
Das begleitete Online-Programm ist dabei mehr als ein reiner Test. Es führt über mehrere Wochen durch strukturierte Inhalte und gibt der Auseinandersetzung mit dem eigenen Spielverhalten einen Rahmen. Für viele ist gerade diese Begleitung hilfreich, weil sie den Vorsatz, etwas zu ändern, über den ersten Impuls hinaus trägt. Wer im Anschluss persönliche Unterstützung sucht, findet über die Beratungsstellensuche Angebote in der Nähe, von ambulanten Beratungsstellen über Selbsthilfegruppen bis zu Kliniken. So entsteht eine Brücke vom anonymen ersten Schritt zu einer dauerhaften, persönlichen Begleitung.
Die OASIS-Selbstsperre als wirksame Distanz
Ein wirksames Instrument, um in einer kritischen Phase Distanz zum Glücksspiel zu schaffen, ist die Selbstsperre über OASIS. Sie lässt sich beim Regierungspräsidium Darmstadt oder niederschwellig über jeden angeschlossenen Anbieter beantragen und wirkt anbieter- und spielformübergreifend.

Das Verfahren zur Selbstsperre und ihrer späteren Aufhebung beschreibt der Beitrag zu Verfahren zur Selbstsperre und Aufhebung im Detail. Wichtig im Kontext dieser Hilfeseite ist die Grundbotschaft: Die Sperre ist kein Makel, sondern ein vorausschauendes Werkzeug. Sie verschafft genau den Abstand, der nötig ist, um andere Hilfsangebote überhaupt in Ruhe wahrnehmen zu können. Warum dieser Schutz bei Anbietern ohne OASIS fehlt, zeigt die Seite zu den Risiken ohne OASIS.
Technische Sperr-Software als ergänzende Hilfe
Neben der behördlichen Sperre können technische Programme helfen, den Zugang zu Glücksspielseiten und -Apps geräteübergreifend zu blockieren. Sie ersetzen die OASIS-Sperre nicht, schließen aber eine praktische Lücke: Sie können auch nicht angeschlossene Seiten unzugänglich machen, die der behördliche Abgleich gar nicht erreicht.

Zwei verbreitete Werkzeuge sind die Sperr-Software Gamban und das kostenlose BetBlocker. Beide blockieren Glücksspielangebote auf den Geräten, auf denen sie installiert sind. Gerade für Personen, die den Druck verspüren, eine bestehende Sperre über nicht regulierte Seiten zu umgehen, kann eine solche technische Hürde im entscheidenden Moment den Unterschied machen. Sie verschafft die kurze Pause, in der sich eine impulsive Handlung noch einmal überdenken lässt. In Kombination mit der OASIS-Selbstsperre entsteht so ein doppelter Schutz: die behördliche Sperre für den regulierten Markt und die technische Blockade für alles, was außerhalb davon erreichbar wäre.
Sinnvoll ist es, eine solche Software auf allen genutzten Geräten einzurichten, also auf Smartphone, Tablet und Computer, weil eine Lücke auf nur einem Gerät den Schutz in einem schwachen Moment aushebeln kann. Die Programme sind so gestaltet, dass sich eine einmal aktivierte Blockade nicht ohne Weiteres im Affekt wieder aufheben lässt. Diese bewusste Reibung ist gewollt, denn sie wirkt genau dann, wenn die Selbstkontrolle nachlässt. Technische Sperren sind also kein Ersatz für Beratung oder die behördliche Sperre, aber eine wertvolle Ergänzung, die den Alltag absichert und das Risiko spontaner Rückfälle senkt.
Der erste Schritt ist meist die Einsicht
Glücksspielsucht ist behandelbar, und viele Menschen, die sich Unterstützung holen, schaffen es, ein spielfreies Leben zu führen. Nach Daten des ISD Hamburg sind in Deutschland rund 5,7 Prozent von riskantem Glücksspiel und rund 2,3 Prozent von einer Glücksspielstörung betroffen. Diese Zahlen zeigen: Niemand ist mit dem Problem allein, und Hilfe ist eingespielt und verfügbar.

Der wichtigste erste Schritt ist meist die Einsicht, dass das Spielverhalten problematisch geworden ist. Danach genügt oft ein einziges Telefonat, ein Selbsttest oder ein Antrag auf Selbstsperre, um eine Richtung zu finden. Eine Einordnung des gesamten Themas bietet der Überblick über OASIS. Wenn der Druck gerade groß ist, ist die Telefonberatung unter 0800 1 37 27 00 der schnellste Weg zu einem Menschen, der zuhört und weiterhilft.
Falls Sie unsicher sind, womit Sie beginnen sollen, kann eine einfache Reihenfolge helfen: zuerst die akute Distanz schaffen, etwa über die Selbstsperre und eine technische Blockade, dann das Gespräch suchen und schließlich, wenn nötig, eine längerfristige Begleitung in einer Beratungsstelle. Keiner dieser Schritte verlangt, dass Sie sich festlegen oder Ihren Namen nennen. Jeder einzelne ist für sich genommen ein Gewinn an Sicherheit. Und keiner muss allein gegangen werden, denn die genannten Stellen sind genau dafür da, in einer schwierigen Phase an Ihrer Seite zu sein.
Sofort erreichbare Hilfe
Telefonberatung zur Glücksspielsucht: 0800 1 37 27 00, kostenfrei und anonym, betrieben vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Erreichbar montags bis donnerstags 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Selbsttest und Beratungsstellensuche über check-dein-spiel.de; bundesweite Angebote über bundesweit-gegen-gluecksspielsucht.de. Die OASIS-Selbstsperre richten Sie beim Regierungspräsidium Darmstadt ein.
Über den Autor
{{AUTHOR_NAME}} beschäftigt sich seit über elf Jahren mit der Regulierung des deutschen Glücksspielmarktes und den rechtlichen Rahmenbedingungen rund um Spielerschutz, Sperrsysteme und Lizenzpflichten. Zu seinen Kernthemen zählen Spielerschutzmechanismen, Suchtprävention und die Bewertung von Anbieterrisiken. Sein Anliegen ist eine sachliche, datengestützte Aufklärung ohne werbliche Färbung. Mehr zum Autor auf der Seite Über uns.
